Montag, 26. März 2012

Rezension The Cranberries - Roses

The Cranberries - Roses (CD, VÖ: 24.02.2012)



Nach mehr als 10 Jahren melden sich The Cranberries mit einem neuen Studioalbum „Roses“ zurück und tatsächlich ist es so, als hätte man 2001 einfach die Zeit angehalten. Dolores O’Riordan singt sich sofort wieder in unsere Herzen und musikalisch besinnen sich die Iren zurück auf ihre Ursprünge, das ewig brillierende Gestern. Auch ansonsten überließen die Cranberries nichts dem Zufall und übergaben die Reglerhoheit wieder an Produzentenlegende Stephen Street (The Smiths, Blur, Kaiser Chiefs etc).
„Conduct“ eröffnet die neue „alte“ Cranberries Ära stark wie gewohnt. Die stimmliche Mischung aus femininer Sanftheit und charakteristischer Ausdruckskraft wird getragen auf einem fast schon zum Schunkeln einladenden Grundbeat, der unsere Gedanken nur zu gerne in die Vergangenheit schweifen lässt. Ein feiner Song, der die Messlatte bereits hoch ansetzt. Frisch und munter geht es mit der aktuellen Single „Tomorrow“ weiter, einem treibenden Song, der sich sofort im Kopf festsetzt. Sicher wünscht sich ein mancher an dieser Stelle jedoch musikalisch gesehen etwas mehr „Tomorrow“, denn stets meint man, diesen Song irgendwann, irgendwo schon mal gehört zu haben. Verträumt wird mit „Fire & Soul“ und „Raining In My Heart“ nachgelegt und gerade bei Letzterem wünscht man sich etwas mehr instrumentelle Stärke, denn Potential hat der Song allemal, leider ist die Steigerung in diesem Stück nur sehr schwer auszumachen.
Und immer noch wartet man auf diese Kracher, für die wir The Cranberries so geliebt haben: „Zombie“, „Hollywood“, „Ode To My Family“. „Losing My Minds“ liefert diesbezüglich eine gute Grundlage, aber auch wenn man hier nun deutlich aufgerüttelt wird, plätschert der Song schlussendlich doch so dahin. „Schizophrenic Playboy“ versprüht dann endlich wieder ein bisschen mehr von diesem leicht abgedrehten, süßlichen Charme und entpuppt sich als mein absoluter Favorit auf „Roses“. Auch „Show Me“ sticht deutlich heraus, denn er zeigt sich nicht nur mit einem ausgeklügelten Soundverlauf, sondern auch mit einer extrem stimmstarken Dolores, die einmal mehr beweist, dass sie eines der wenigen übriggebliebenen Ausnahmetalente ist. Bei „Astral Projection“ zeigt sich abermals, dass The Cranberries sich etwas mehr trauen, denn dieser Song hüllt sich durch diverse musikalische Brüche in ein skurriles Gewand. Ob dieser Schritt als nerv tötend oder gelungen betrachtet wird, sei jedem selbst überlassen, aber zumindest sind wir an dieser Stelle weit entfernt vom 08/15- Indie-Rock. Mit dem gleichnamigen Stück „Roses“ beenden The Cranberries ihr aktuelles Machwerk und es wird noch einmal so gefühlvoll und vereinnahmend, dass wir „Roses“ deutlich zu den Balladen zählen können, die einem Stück für Stück den Atem rauben.
Alles in Allem liefern die charmanten Iren ein Werk ab, das zweifelsohne an die Erfolge von damals anknüpfen kann und sich keineswegs verstecken muss. Wer früher schon einen großen Umweg um Dolores und ihre Mannen gemacht hat, der wird es jedoch heute auch weiterhin tun, zu klein ist die Veränderung und zu stark der typische Cranberries- Touch. Für Fans und Freunde der Musik ist das neue Album jedoch unumgänglich, immerhin steckt darin eine Menge Herzblut, was auch deutlich herauszuhören ist. The Cranberries schicken mit „Roses“ eine Platte ins Rennen, die einige Wünsche offen lässt, aber glücklicherweise auch viele erfüllt. 

4/5 Sternen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen